Punk of Color ist überall dort, wo MusikerInnen of Color laut gegen Stereotypen spielen und Schubladen den Finger zeigen. Punk of Color ist keine Musikrichtung sondern ein Referenzrahmen und Lifestyle.

Widerstand...

"Farbenblindheit" wird seitens des Mainstream-Publikums und der Musikindustrie zumeist einseitig praktiziert: man feiert und pusht beispielsweise durchaus weiße MusikerInnen, die Soul, HipHop oder Schwarze Widerstandsmusik auf Patois singen. Währenddessen werden MusikerInnen, die Schwarz oder mit asiatischem Background ausgestattet sind, in den Genres Punk und Alternative Rock als seltsam oder "exotisch" empfunden (und in der Musikpresse u.a. die Band Bloc Party als "Promenadenmischung", "exotisch" oder "Migranten" betitelt).  
Weiß wurde im Rock zur unmarkierten Norm. Das äußert sich auch in der Zuweisung "Black Music" während die Zuweisung  (und damit Einschränkung) von "white music" gar nicht existiert. 

Woher alle diese Musikrichtungen eigentlich ursprünglich stammen, und welche Bands jeweils Pioniere progressiver Rock-Musikrichtungen waren, wird dabei gerne ausgeblendet. Finanziell erfolgreiche Schwarze Alternative- und PunkmusikerInnen gibt es im Vergleich zu ihren privilegierten KollegInnen recht wenig - und das sicher nicht weil sie schlechter performen, sondern weil sie nicht die gleiche Unterstützung und Aufmerksamkeit erhalten und aus dem "Rahmen" gesellschaftlicher Zuweisungen fallen. 

Während es in Deutschland noch verhältnismäßig schwer ist, sich als Schwarze(r) KünstlerIn abseits der als "passend" empfundenen Musikrichtungen Reggae, HipHop, R&B oder Soul musikalisch zu behaupten, hat sich in den USA und Großbritannien inzwischen eine Szene etabliert, die sich offensiv als "Afro-Punk" tituliert und sowohl seitens der KünstlerInnen als auch seitens der Fans einseitige Rollenzuweisungen offenlegt und zugleich verneint. Afro-Punk ist demnach eine Widerstandsbewegung. Afrozentrik, Schwarze und PoC - Perspektiven und Humor („The Niggy Tardust Experience“) spielen von Band zu Band eine ganz unterschiedliche Rolle. Die Afropunk Szene ist keine homogene Szene.    

- Die Afro-Punk Bewegung ist größtenteils DIY und Indie: es werden eigene Labels und Netzwerke gegründet und Festivals selbst veranstaltet.

Die Black Rock Coalition ist in ihren Strukturen organisierter und besteht bereits seit 1985. Sie ist ein „U.S.-based artists' collective and non-profit organization dedicated to promoting the creative freedom and works of black musicians“.
 Ihre Gründer waren Vernon Reid (Gitarrist der funk metal band Living Colour), Greg Tate (Journalist bei Village Voice), und Konda Mason (Produzent).

- Punk = der Wille, sich deutlich sichtbar von der Mehrheitsgesellschaft abzugrenzen.

- Schwarz/Afro/PoC = deutlich sichtbar von der Mehrheitsgesellschaft abgegrenzt zu sein, unabhängig davon ob man das will oder nicht.


Unsere Art von Punk benötigt also keine grün gefärbten Haare. Sondern die Einstellung, sich aufgedrückte musikalische (und sonstige) Schubladen und Platzzuweisungen nicht gefallen zu lassen. Plus Liebe zu Musik. Gerne mit lauten Gitarren. Oft avantgardistisch, stilübergreifend, progressiv. 

Einige Bands, die durch ihre Innovationen und Schrankenverweigerung ganze Musikstile, Bewegungen und Generationen beeinflusst haben (und damit leider nicht annähernd so viel verdient haben wie ihre nichtschwarzen KollegInnen, die danach auf den Zug aufgesprungen sind):

Little Richard, Jimi Hendrix, Bad Brains, 24-7 Spyz, Living Color, Fishbone, Living Colour, Jingo De Lunch, Suicidal Tendencies... 

http://www.afro-punk.comhttp://www.blackrockcoalition.org/http://en.wikipedia.org/wiki/Vernon_Reidhttp://en.wikipedia.org/wiki/Living_Colourhttp://en.wikipedia.org/wiki/Greg_Tatehttp://en.wikipedia.org/wiki/Village_Voiceshapeimage_5_link_0shapeimage_5_link_1shapeimage_5_link_2shapeimage_5_link_3shapeimage_5_link_4shapeimage_5_link_5